Zentrum für Bewegungsstörungen: Wir sind interdisziplinär stark vernetzt

Intraoperative Aufnahme einer «Tiefen Hirnstimulation»-Operation. Der stereotaktische Rahmen am Kopf des Patienten erlaubt es, spezielle Kerngebiete des Gehirnes als vordefinierte Zielpunkte durch ein kleines Bohrloch im Schädel mit einer Genauigkeit im Bereich von weniger als einem Millimeter zu erreichen.

Die Parkinson’sche Erkrankung, die verschiedenen Tremor-Formen oder die Dystonien gehören alle zu den sogenannten „Bewegungsstörungen“. Dieses Gebiet der Neurologie erlebte in den letzten Jahren einen starken Zuwachs, und die „Bewegungsstörungen“ haben sich als wichtiges Spezialgebiet innerhalb der Neurologie etabliert.

Mit dem Aufkommen neuer Behandlungsmöglichkeiten (z. B. tiefe Hirnstimulation, Behandlung mit Botulinumtoxin) kam dem Gebiet der Bewegungsstörungen auch eine immer grössere Bedeutung zu bei der Behandlung von Patienten und Patientinnen.

Das „Zentrum für Bewegungsstörungen“ ist eine Untereinheit der Neurologischen und Neurochirurgischen Kliniken des Inselspitals und bietet alle modernen therapeutischen Möglichkeiten in einem multidisziplinären Rahmen auf höchstem Niveau an.

Das Zentrum für Bewegungsstörungen hat eine dreifache Aufgabe:

  • in der kompetenten Betreuung von Patientinnen und Patienten
  • in der Forschung
  • in der Ausbildung

Wie wir die interdisziplinäre Zusammenarbeit leben

Da die Bewegungsstörungen Erkrankungen umfassen, die auch Gebiete ausserhalb der Neurologie betreffen, besteht eine enge Zusammenarbeit mit anderen Fächern, insbesondere der Neurochirurgie, der Psychiatrie, der Urologie und der HNO. Das Zentrum für Bewegungsstörungen arbeitet insbesondere eng mit den folgenden Einheiten zusammen:

  • mit der neurochirurgischen Klinik des Inselspitals (in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. C. Pollo und Dr. M. Oertel) für die Tiefe Hirnstimulation (ca. 50 Neuimplantationen pro Jahr)
  • mit der Neurologischen Bettenstation des Inselspitals bei stationären Patienten mit Bewegungsstörungen
  • mit dem autonomen Labor bei Patienten mit Affektion des autonomen Nervensystems im Rahmen einer Bewegungsstörung
  • mit dem Schlaflabor bei Patienten mit Bewegungsstörung und assoziierter Schlafstörung
  • mit der Universitären Neurorehabilitation, insbesondere bei der Beurteilung von Kandidaten für eine Behandlung mit tiefer Hirnstimulation
  • mit der Humangenetik (PD Dr. D. Bartholdi, Prof. Dr. S. Gallati) für Patienten mit Bewegungsstörungen im Rahmen eines Erbleidens
  • mit den Universitären Psychiatrischen Diensten Bern (PD Dr. S. Walther, Dr. W. Schmitt, Dr. G. Löffelholz, Dr. M. Wenke) für Patienten mit Bewegungsstörungen und psychiatrischen Erkrankungen, mit funktionellen Bewegungsstörungen und für Patienten mit psychiatrischer Indikation für eine Tiefe Hirnstimulation (z.B. Zwangsstörung, Depression)
  • mit der Abteilung für Neuropädiatrie (Prof. Dr. M. Steinlin, PD Dr. S. Grunt) für die Transition von Patienten aus der pädiatrischen Betreuung in die Sprechstunden für Erwachsene
  • mit der Abteilung für Metabolik (PD Dr. J. M. Nuoffer) für Patienten mit Bewegungsstörungen im Rahmen einer neurometabolischen Erkrankung
  • Dazu besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Klinik Bethesda in Tschugg bei der Rehabilitation von Patienten mit M. Parkinson, speziell in der postoperativen Betreuung von Patienten mit Tiefer Hirnstimulation
  • Ausserdem findet jeden ersten Dienstag im Monat eine Videokonferenz statt mit befreundeten Zentren in Lugano (Prof. Dr. Dr. A. Kaelin, Dr. S. Galati), Fribourg (PD Dr. A. Humm, Prof. Dr. J.M. Annoni, Dr. E. Acolla), Sion (Prof. Dr. J. Ghika) und Basel (Prof. Dr. P. Fuhr, Dr. E. Taub) zur Diskussion von Patientenfällen mit Indikation für eine Tiefe Hirnstimulation.
  • Eine intensive und enge Zusammenarbeit besteht zudem mit der Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie in der Betreuung von Patientinnen und Patienten von Parkinsonsyndromen und anderen Bewegungsstörungen. Eine engere Vernetzung dieser Bereiche mit der ärztlichen Betreuung, aber auch mit der ambulanten Pflege (Spitex) ist im Aufbau. Zu diesem Zweck hat ein erfolgreiches und sehr gut besuchtes Symposium am 12.5.2016 in Bern stattgefunden. Das Therapienetzwerk Bern Parkinson soll die Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen enger gestalten und optimieren zum Nutzen von Patienten und Therapeuten.

Erfahrungsbericht eines Patienten

Der 72-jährige Antoine, welcher an essentiellem Tremor leidet, berichtet von seiner Operation mit der Tiefen Hirnstimulation, die er am Zentrum für Bewegungsstörungen gemacht hat.
Bericht auf Französisch auf der Website von Aptes Association des personnes concernées par le tremblement essentiel