Multiple Sklerose: Vitamin D könnte Kortison-Therapie verbessern

Mittwoch, 29. Mai 2019, 14:00 Uhr

Das Neurozentrum des Inselspitals hat in einer grundlagenwissenschaftlichen Studie Hinweise darauf gefunden, dass die Wirkung von Kortison zur Behandlung akuter Schübe bei Multipler Sklerose durch die Zugabe von Vitamin D verbessert werden könnte. Weil Kortison zur Behandlung von Autoimmunerkrankung oft eingesetzt wird, könnten diese Studienergebnisse in Zukunft nicht nur für Menschen mit Multipler Sklerose relevant werden.

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Autoimmunerkrankung des Nervensystems. Neben Epilepsie zählt sie zu den häufigsten neurologischen Krankheiten bei jungen Erwachsenen. Die fortschreitende Erkrankung greift die Markscheiden der Zellen im zentralen Nervensystem an und kann zu Behinderung führen.

Häufig verläuft MS in Schüben mit rasch auftretenden neurologischen Ausfallserscheinungen. Um bleibende Einschränkungen zu verhindern, ist es daher entscheidend, den Schub möglichst rasch und effizient mit Medikamenten zu behandeln. Leider wirken bei vielen Patientinnen und Patienten die dazu verwendeten Kortison-Präparate nicht genügend auf die Entzündung, so dass diese Betroffenen bleibende neurologische Beeinträchtigungen entwickeln können.

Vitamin D könnte Wirksamkeit von Kortison verbessern

Eine Grundlagen-Studie des Neurozentrums am Inselspital Bern in Zusammenarbeit mit Zentren in Deutschland, Australien und den USA hat nun das Potenzial von Vitamin D zur Steigerung der Wirksamkeit von Kortison-Präparaten untersucht. Die Studie ergab, dass Vitamin D im experimentellen Versuchsaufbau die entzündungshemmende Wirkung der Kortison-Therapie verbessert. Darüber hinaus konnten die Mechanismen dieser Wirkungsverstärkung identifiziert werden (Hemmung des mTOR-(mammalian target of rapamycin)-Signalweges), was die Möglichkeit eröffnet, noch wirksamere und spezifischere Medikamente zur Schubbehandlung von MS zu entwickeln.

Wirksamere Behandlung anderer Autoimmunerkrankungen

Diese ersten Hinweise müssen in klinischen Studien verdichtet werden. Wenn sie sich bestätigen, könnten sie einen ersten Schritt für die Verbesserung der gegenwärtigen MS-Schubtherapie darstellen, für die sonst zur Intensivierung der medikamentösen Behandlung hauptsächlich Plasmaaustauschverfahren zur Verfügung stehen. Zusätzlich wäre denkbar, mithilfe dieser Ergebnisse auch andere Autoimmunerkrankungen, in denen heute bereits Kortison-Präparate eingesetzt werden, noch wirksamer zu behandeln.

Link zur Studie (Acta Neuropathologica) vom 27. April 2019

Spezialsprechstunde für MS-Patientinnen und Patienten

Die Universitätsklinik für Neurologie bietet eine Spezialsprechstunde für Multiple Sklerose. Ziel dieser Sprechstunde ist es, Betroffene und ihre Angehörigen optimal zu betreuen.

Erster MS-Therapiekonsensus schweizweit

Unter der Federführung des Inselspitals haben MS-Expertinnen und Experten gemeinsam mit der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft und der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft den ersten schweizweiten Therapiekonsensus erarbeitet. Der Konsensus soll schweizweit eine Einheitlichkeit bei der Behandlung von MS ermöglichen. Im Video (in Englisch) präsentiert Prof. Dr. med. Andrew Chan, Chefarzt der Universitätsklinik für Neurologie, den MS-Therapiekonsensus. Er hat den Konsensus im Rahmen des diesjährigen MS-Kongresses vorgestellt.